Von Jörg
Willkommen zu Folge 64 im Streamkaffee.
Kommt nach den Spaghetti Western nun Spaghetti Eastern?
Der Regisseur Gabriele Mainetti wagt sich an einen Genremix der anderen Art.Kung Fu in Rome ist ein italienischer Action-Drama-Film der zwei Stile miteinander mixt, von denen man es nicht erwartet hätte. In Italien bezeichnete man den Film als „Bruce Lee trifft ein Herz und eine Krone“.
China 1995. Die chinesische Ein-Kind-Politik ist eine staatliche Maßnahme zur Bevölkerungskontrolle, die die meisten Paare auf ein Kind beschränkt. Die junge Mei trainiert zusammen mit ihrer Schwester Yun, Kung Fu mit ihrem Vater. Mei ist das zweite Kind der Familie, dass es eigentlich nicht geben dürfte. Kommen Menschen vorbei, muss sich Mei versteckt halten.
2025 die beiden Schwestern haben sich aus den Augen verloren und Mei reist nach Rom, um ihre verschwundene Schwester zu finden. Ihre Suche führt sie dabei in das multikulturelle Viertel Esquilino und das zwielichtige Casino „Città Proibita“, das von einer chinesischen Gang kontrolliert wird. Dabei gerät sie an Marcello, der hochverschuldet ist und deshalb als Koch für das organisierte Verbrechen arbeiten muss. Auch Marcello Vater Alfredo scheint in das Verschwinden von Meis Schwester verstrickt zu sein, ist aber selbst spurlos verschwunden.
Während sich Mei unbeirrt mit erstklassig inszenierten, gleichermaßen heftigen wie augenzwinkernden Kung-Fu-Fights weiter zu ihrer Schwester durchzuprügeln versucht, finden sie und Marcello im sommerlichen Rom auch ohne eine gemeinsame Sprache zueinander. Allerdings lauert in der ewigen Stadt ein tragisches Geheimnis, das beide auf die Probe stellen wird.
Beim Titel des Films erwartet man ohne Zweifel, irgend einen Martial Arts Quatsch.
Allerdings wird man schon sehr früh im Film eines Besseren belehrt.Der Regisseur und bekennende Kung-Fu-Film-Fan Gabriele Mainetti wusste anscheinend genau worauf es wirklich ankommt – er suchte keine Schuspielerin für die Hauptrolle, sondern eine echte Martial-Arts-Athletin und stieß so auf die spektakulären TikTok-Videos von Yaxi Liu. Diese war bislang unter anderem auch schon als Stunt-Double von Yifei Liu an der Disney-Realverfilmung „Mulan“ beteiligt.
Sie strahlt mit ihren Kampfkunstfähigkeiten aber nicht nur körperliche Stärke aus, sondern bringt auch eine fesselnde emotionale Präsenz auf die Leinwand.
Enrico Borello liefert als Koch Marcello eine reife Darstellung ab und widmet sich voll und ganz seiner ebenso rauen wie liebenswerten Hauptfigur. Seine Darstellung eines römischen Kochs, der sich durch eine Reihe aus Konflikten bewegt, verleiht dem Film einen rauen, genügsamen Charme.
Die Chemie zwischen Enrico Borello und Xavi Liu passt ausgezeichnet und Gabriele Mainetti schafft, was viele Regisseure in andern Martial Arts Filmen gar nicht erst versuchen. Mei und Marcello wachsen einem tatsächlich ans Herz – Und speziell bei einer Vespa-Fahrt durch die römische Nacht, der einige der schönsten Rom-Bilder seit langem bietet, denkt man tatsächlich an „Ein Herz und eine Krone“ zurück..
Marco Giallini spielt den alternden Mafiaboss Anniballe. Ein Mafiosi vom alten Schlag, der mit „Zuckerbrote und Peitsche“, sowie seinen beiden Handlangern Tom und Jerry im Viertel das Sagen hat. Er spielt den Mafiosi der den alten Zeiten hinterher trauert und seine Chance bei Marcellos Mutter Lorena sieht, nachdem dessen Vater Alfredo verschwunden ist. Er spielt die Rolle sehr überzeugend, wie ein Abziehbild eines Mafiosi, wobei er Klischees bedient, aber nicht übertreibt und in Motivation und Handlung stets glaubhaft bleibt.
Im Gegenüber steht Wang, der Chef der chinesischen Mafia. Chunyu Shanshan verkörpert Wang nicht weniger glaubhaft. Auch er ein alternder Gangsterboss, der, obwohl er sich ein kleines Imperium aufgebaut hat, desillusioniert erscheint. „Wir kamen um zu erobern und wurden erobert“, stellt er enttäuscht fest, als er erkennt, dass seinem Sohn dessen Rapper Karriere wichtiger ist als das Gangster Business. Trotzdem kann er seinen übergroßen Stolz auf seinen Sohn nicht verbergen und trägt diesen offen zur Schau.
Sabrina Ferilli als Marcellos Mutter Lorena, erinnert in ihrer typisch theatralisches und liebevollen Art mit Marcello und der ganzen Situation um das Verschwinden ihres Mannes umzugehen, oft an große italienische Damen wie Sophia Loren..
Sowohl die Kamerafahrten, als auch Musik und Kostüme überzeugen und sind passend zum Stil der jeweiligen Kultur.
Wer hätte bei dem Titel eine echte Überraschung erwartet. Wir zumindest nicht. Und hätten wir den Film nicht als Screener gesehen, wäre er vermutlich an uns vorbei gegangen und wir hätten wirklich einen guten Film verpasst. Ausgerechnet ein italienischer Regisseur ohne die geringste vorherige Martial-Arts-Erfahrung liefert hier, wie ein echter Fanboy, erstklassige Kung-Fu-Action. Aber die größere Leistung den Films besteht darin über diese Action hinauszugehen. Charaktere zu erschaffen, für die man sich wirklich interessiert und die nicht nur Beiwerk sind um von einer Action Szene zur nächsten zu wechseln. In „Kung Fu In Rome“ ist ihm dies wirklich gelungen. Trotz 138 Minuten kommt nie Langeweile auf und man fiebert mit dem Duo Mei und Marcello wirklich mit, selbst wenn es zu den wenigen aber sehr herzlichen romantischen15 Szenen kommt.
Darsteller:
- Yaxi Liu
- Enrico Borello
- Marco Giallini
- Sabrina Ferilli: Lorena
- Chunyu Shanshan
- Luca Zingaretti
Regie:
- Gabrielle Mainetti
Drehbuch:
- Stefano Bises
- Gabriele Mainetti
- Davide Serino
Filmstudio:
- Piper Films
Erscheinungsjahr:
- 2025
Länge:
- 138 Minuten
Zu sehen:
- Im Kino
Produktionskosten:
- 17 Millionen US Dollar
FSK:
- 16 Jahre
IMDb:
- 7/10
Stand 15.09.25
Wie hat euch Kung Fu in Rome gefallen? Lasst gerne euren Kommentar da. Schnappt euch einen Kaffee oder ein anderes Getränk und hört euch Folge 64, im Streamkaffee an. Viel Spaß wünschen euch euer Jörg und Marc.
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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Sehr interessante Folge, gut dass es solche Arthouse Filme gibt.
Hallo Gabriel, vielen Dank für dein Feedback. Manchmal sind es die unscheinbaren Filme, die einen Überraschen.